Musikstudio Berger

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Musikpädagoge       Gitarrist       Berater

 

 

I. DIE GITARRE UND IHRE TECHNIK                                     „Alles ist in allem" Sokrates

Bei Dingen, die in unsere Reichweite gelangen, sollte man nicht nur die Gestalt und materielle Beschaf­fenheit sehen: Ein noch so einfaches Musikinstrument kann doch in seinem Klangkörper das geistige Wesen eines großen Künstlers, ja sogar das einer ganzen Rasse, einer ganzen Epoche oder eines mythi­schen Zeitalters einschließen.

Die Gitarre verdient ebenso viele Ehren wie die ranghöchsten Instrumente wegen ihres entfernten Ursprungs, wegen ihrer volkstümlichen und künstlerischen Doppelerscheinung und wegen ihres Ein­flusses auf die Entwicklung der Instrumentalmusik. Außerdem dadurch, dass sie in ihrem Innersten den genialen Atem wunderbarer Künstler eingefangen hat.

Die ständige Entwicklung der Musik trägt den Fortschritt der instrumentalen Technik in sich, zu jeder Epoche gehört ein wichtiger Faktor in der Entwicklung der Technik. Es ist der Schritt nach vorn, die neue Form, die magnetische Anziehung des Zukünftigen, die die gestrigen Grundsätze entwickelt, bewahrt oder zerstört.

Jedes Wiederaufleben in der Geschichte unseres Instruments hat neue Funde hinterlassen, die den Bereich seiner Technik ausgedehnt haben. Jeder Künstler hinterließ in seiner Epoche Spuren seiner per­sönlichen Begabung, und die Zeit hat es übernommen, im Lauf der Jahrhunderte die brauchbaren Ver­fahren auszusieben, die zur Vollkommenheit führen.

FUENLLANA, MUDARRA und VALDERRABANO spiegelten in ihren Werken für vier- oder fünfchörige Gitarre die musikalischen und künstlerischen Strömungen des XVI. Jahrhunderts. AMAT erweiterte die Mittel der volkstümlichen Gitarre, indem er die Art und Weise lehrte, auf den fünf Doppelsaiten alle Dur­ und Moll-Tonarten zu bilden und anzuwenden. FOSCARINI fügte dem Spiel geschlagener Akkorde das Melodiespiel der Vihuelamusiker hinzu. CORBETTA fasste in seinen Werken den Geist der weltlichen Musik seiner Zeit zusammen. SANZ, der nicht nur Organist war, sondern von den italienischen Meistern das Beste aus der Technik seiner Zeit erlernte, veröffentlichte 1674 die erste vollständige Abhandlung für fünfchörige Gitarre: VISEE, RONCALLI, RIBAYAZ, GUERAU, Santiago de MURCIA, Doizy de VELASCO und CAMPION trugen zum Werden der „Suite" und ihrer transzendentalen Ableitungen bei, indem sie die Erfahrungen ihrer Vorgänger aufgriffen. Federico MORETTI, der Schüler von Pater BASILIO war, sammelte und ordnete später in seinem Werk Grundlagen für das Spiel der sechschörigen Gitarre die Theorien der neuen Schule. Der Anstoß, der zu Beginn des XIX. Jahrhunderts von CARULLI, CARCASSI. LEGNANI und anderen ausging, gipfelte im Werk von GIULIANI, SOR und AGUADO, den hervorragendsten Komponisten, Interpreten und Theoretikern der klassischen Periode. COSTE in Frankreich und MERTZ und REGONDI in Italien übernahmen das Werk ihrer Vorgänger, während die spanischen Gitarristen - unter ihnen der berühmte Julian ARCAS - in engerer Berührung mit dem Empfinden des Volkes neue Verfahren zur Technik beisteuerten. Schließlich legte TARREGA, der das technische und künstlerische Gefühl seiner Epoche erfasste, in der Furche seines romantischen Werkes den Keim, der in der heutigen Zeit Früchte tragen sollte.

 

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