Musikstudio Berger

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II. METHODISCHE GRUNDLAGEN DER SCHULE TARREGAS

TARREGA war der bewundernswerteste Gitarrist aller Zeiten und eine der vornehmsten und erhaben­sten Naturen unter denen, die sich der Musik gewidmet haben. Er war ein genialer Künstler mit aus­geprägtem Temperament und klarem Verstand, der die technischen und künstlerischen Möglichkeiten der Gitarre erweiterte und verbesserte. Auf diese Weise gelang es ihm, die Gitarre von der ungerech­ten Entwürdigung zu befreien, in die sie die Ungunst und das Vergessen einer Epoche gestürzt hatten.

Die technische Seite seines Werkes ist aus den Anforderungen einer außerordentlich gehobenen Kunst erwachsen. Ihre Theorien stützen sich auf unveränderliche Grundsätze und lehren nicht nur, alle bekannten Probleme folgerichtig zu lösen, sondern auch solche, die gegebenenfalls auftreten könnten. Der didaktische Sinn seiner Methode besteht darin, im Voraus alle Probleme zu lösen, die sich aus den Faktoren ergeben können, die bei der Ausführung eines Werkes mitwirken: Instrument, Hände und Verstand. Stufenweise werden alle Fragen untersucht, gelöst und zusammengefasst, die die Anwendung der Musik auf das Instrument zum Vorschein bringen könnte. Dies erfolgt unter Berücksichtigung der Natur und Anordnung der Saiten, außerdem der Eigenart und Veranlagung der Finger im Dienst von Verstand und Sensibilität. Alle Tonleiterkombinationen, Akkordzerlegungen, Bindungen und instru­mentalen Effekte sind vorausgesehen. Sie werden in der Weise abgehandelt, dass die Finger durch die methodische Arbeit die größtmögliche Unabhängigkeit, Kraft und Sicherheit erwerben, Kein Werk könnte diese technische Vorbereitung mit einem Spielverfahren überraschen, das nicht von Grund auf gelöst wäre.

Sein intensives und arbeitsames Leben, das in seinem inbrünstigen Streben nach Erhabenheit nie gestillt wurde, endete unglücklicherweise zu früh. Den Wunsch, die gedanklichen Grundlagen seiner Methode in einer Schule zu ordnen, hatte er immer für jene späte Zeit der Ruhe aufgeschoben, die der Lebensabend dem Virtuosen bietet. Dabei hat der Tod ihn überrascht. Nur einige Übungen und Etüden sind, ungeordnet unter Freunden und Schülern verstreut, übrig geblieben, fliegende Blätter eines unschätzbaren Buches, das niemand je ganz lesen können wird.

Viele Male habe ich erfolglos die Möglichkeit angedeutet, diese Manuskripte zusammenzubringen, zu ordnen und herauszugeben. So hätten sie als dauerhafte Grundlage für eine authentische Schule TARREGAS dienen können, fähig, die Bemühungen derjenigen zu lenken, die dieses Instrument kennen lernen oder spielen möchten. Es sind ganz im Gegenteil verschiedene seiner Übungen, Etüden und Werke in fehlerhaften Ausgaben mit bedauerlichen Unrichtigkeiten erschienen, und die waren nicht immer mit dem Namen ihres Autors bezeichnet.

Dreiundzwanzig Jahre sind seit dem Tode des Meisters vergangen. Die Gitarre hat in ihrer langen und bewegten Geschichte in unseren Tagen strahlend den Gipfel ihrer künstlerischen Wertschätzung erreicht. Ihre Triumphe sind zum Teil die Folge der Intensivierung der Allgemeinkultur unseres Publikums und der uneigennützigen Liebe und des Talents zahlreicher Künstler von unbestreitbarem Verdienst. In der Hauptsache aber beruhen sie auf TARREGAS Verbesserung ihrer Technik und Ästhetik.

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