Musikstudio Berger

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Musikpädagoge       Gitarrist       Berater

 

 

VII. ZUSAMMENFASSUNG

Mein erster Ratschlag an den Anfänger muss also vor allem sein, dass er lerne zu üben, denn darin besteht das Geheimnis einer guten Technik. Die Qualität des Übens bedeutet mehr als die Quantität, der Eifer mehr als die Beharrlichkeit, die Überlegung mehr als der Eigensinn. Es ist erforderlich, in ein und der­selben Tätigkeit die größtmögliche Willenskraft, Geisteskraft und Sensibilität zu vereinigen. Diese sind außerdem mit einem richtigen Sinn für Ordnung, Selbstkritik, kämpferischem Geist und Ausdauer, nebst einem unverzagten Glauben an die eigenen Fähigkeiten zu verbinden.

Es nützt wenig, wie ein Automat zu üben, im Glauben, dass durch die Menge der Übungsstunden alles gelöst würde. Die nachdrückliche Aufmerksamkeit bei der Arbeit ist die Hauptsache. Bei jedem Spiel muss immer der instrumentale, fingersatzmäßige, musikalische und künstlerische Gesichtspunkt beach­tet werden, sogar bei den allereinfachsten Präludien. Es ist darauf zu achten, den bestmöglichen Klang, völlige Reinheit der Noten, Genauigkeit im Taktmaß und vollkommenes Gleichgewicht in den Tonab­stufungen dadurch zu erzielen, dass man sich ununterbrochen zuhört und die Fehler verbessert, die der eigene kritische Verstand einem anzeigt.

Der Schüler ist für den Lehrer das, was der Kranke für den Arzt ist. Die Schule wird das Arzneibuch, in dem die wirksamen Mittel für die völlige Heilung gefunden werden könnten. Dafür ist es notwendig, dass der Schüler mit Pünktlichkeit und intelligenter Aufmerksamkeit gehorcht, während der Lehrer dafür sorge, die Behandlung nicht zu verfälschen.

Da die Gitarre ein Instrument ist, dem man sich mit verschiedenartigen Absichten nähert, wird es unbedingt erforderlich sein, Umschau zu halten, um darauf den sichersten Weg zu nehmen. Das Lernen kann unterschiedlichen Zwecken dienen: dem Konzert, dem Unterricht, der Komposition für das Instru­ment oder einfach dem Vergnügen, für sich selbst zu spielen. Für jeden dieser Gesichtspunkte empfiehlt sich die Verstärkung bestimmter Arbeiten.

Der Virtuose wird den physisch-praktischen und psychisch-physischen Teil des Studiums betonen müssen. Für den Lehrer reicht eine vollständige theoretische Aneignung und die mögliche praktische Beherrschung der instrumentalen Technik aus. Dem Komponi­sten wird es - unabhängig von seinen Kompositionsstudien - genügen, die Natur des Instruments kennen zu lernen. Daneben benötigt er die Kenntnis der Möglichkeiten beider Hände unter Berücksich­tigung der Saitenanordnung und der Mittel, zu denen die Gitarre sich anbietet. Wer zu seinem eigenen Vergnügen lernt, kann dahin gelangen, ein guter Blattspieler zu werden. Dabei vermindert er die Strenge der Übungen, um zu einem Spiel zu gelangen, das weniger geläutert, aber weiter ausgedehnt ist. Er kann aber auch ein vorzüglicher Spieler werden, wenn er es unterlässt, Werke mit übermäßigen Schwierigkeiten zu interpretieren und sich darauf beschränkt, denen, die in der Reichweite seiner Technik liegen, die größtmögliche Vollkommenheit zu geben. Jeder, der die Gitarre mit wirklicher Zu­neigung an seine Brust drückt, sollte nicht vergessen: Die Mittel geistiger Größe, die sie ihm bietet, sind in ihrem besten Teil Folge der uneigennützigen Anstrengung der großen Künstler, die ihm vorangingen.

Ein Gefühl der Dankbarkeit und Bewunderung für meinen Lehrer und der Wunsch, das wohlverdiente Ansehen der Gitarre zu verteidigen, haben mich veranlasst, dieses Werk zu schreiben. Daneben wollte ich mich denen nützlich erweisen, die mit mir die gleiche Liebe zu diesem Instrument teilen.

Paris, Dezember 1933

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